Paläontologische Arbeitskreis Koblenz
Zur
Zeit des Unter-Devon, vor rund 417-392 Millionen Jahren, lag das
Gebiet des heutigen Rheinischen Schiefergebirges südlich des sogenannten
Old Red-Kontinents, dessen Südküste sich etwa auf der
Linie Aachen-Köln befand. In einem langgezogenen und ca. 400 km breitem
Meeresarm, dem Rhenohercynischen Trog, kam der Abtragungsschutt dieses
Festlandes zur Ablagerung. Im Süden wurde dieser Meeresarm in unserer
Region von der Mitteldeutschen Schwelle begrenzt. Von dort wurden ebenfalls
Sedimentmassen in das Ablagerungsbecken geschüttet. Stets & Schäfer (2002) unterteilten das Rhenohercynische
Becken in drei Faziesgürtel, einen nördlichen, einen
zentralen und einen südlichen, die sich jeweils durch charakteristische
Ablagerungsbedingungen auszeichnen. Der nördliche Faziesgürtel,
nördlich der Siegener Hauptüberschiebung gelegen, lässt
im wesentlichen deltaische Bildungsbedingungen erkennen, d.h. der
Abtragungsschutt vom Old Red-Kontinent wurde über Flüsse dem
Meer zugeführt. Da sich die Absenkung des Beckenbodens und die Zufuhr
von Sedimentmaterial mehr oder weniger die Waage hielten, kam es im Zusammenspiel
mit Meeresspiegel-Schwankungen zu einer vor und zurück pendelnden
Küstenlinie und dadurch zu stark wechselnden Umweltbedingungen, die
auch in der unterschiedlichen Gesteinsbeschaffenheit, Sedimenttexturen
und den im Gestein eingeschlossenen Organismenresten ihren Ausdruck finden.
In diesem Raum findet man heute Ablagerungen von Flüssen, flachen
Süß- oder Brackwassertümpeln, Lagunen und Gezeiten-beeinflussten
Flachmeerbereichen eng neben- bzw. übereinander.
Der zentrale Faziesgürtel, zu dem auch der Raum Koblenz gehört, zeigt ein einheitlicheres Bild. Die Sedimente kamen in einem Schelfmeer unter konstanter Wasserbedeckung zur Ablagerung. Allerdings war auch hier der Ablagerungsraum in Becken- und Schwellenstrukturen gegliedert. So zeigt der Hunsrückschiefer s.l. eine in tieferem Wasser gebildete Beckenfazies an, während die Gesteine in der unmittelbaren Umgebung von Koblenz in flacherem Wasser und meist unter höher energetischen Bedingungen abgelagert wurden. Lediglich im obersten Unter-Emsium (Nellenköpfchen-Schichten) kam es im Raum Koblenz, durch das sich nach Süden vorbauende Delta-System, noch einmal kurzfristig zur Ausbildung deltaisch/festländischer Ablagerungsbedingungen.
Der südliche Faziesgürtel, südlich der Taunuskamm-Überschiebung gelegen, lässt wieder eine größere Spannbreite an Ablagerungsbedingungen erkennen. Im wesentlichen ist ein Wechsel von anfänglich festländischen Umweltbedingungen im späten Gedinnium zu vollmarinen Verhältnissen, die sich im Siegenium herausbildeten und im Unter-Emsium verstärkten (Hunsrückschiefer s.str.), nachzuvollziehen.